Technik, Taktik, Spielintelligenz: Drei Fragen an Philipp Floritz zum VDTT-Symposium
Beim Symposium in Grenzau wird Philipp Floritz darüber referieren, wie moderne Trainingsinhalte im Tischtennis gestaltet werden müssen, um Spieler:innen nachhaltig weiterzuentwickeln. Im Interview gibt er einen kleinen Vorgeschmack, warum er immer spielnah denkt und Technik für ihn untrennbar mit Taktik verbunden ist, welche Rolle wiederkehrende Ballwege und klare Spielsysteme spielen – und wo er die größten Entwicklungsfelder im aktuellen Trainingsalltag sieht. In seinem Interview gibt Philipp spannende Einblicke in Trainingspraxis zwischen Nachwuchsleistungssport, Breitensport und Zukunftsvision.
Warum hast du für dich gerade das Thema Trainingsinhalte – Technik und Taktik gewählt? Was liegt dir gerade in diesem Bereich so am Herzen?
Ich habe das Thema Trainingsinhalte – Technik und Taktik gewählt, weil ich hier aktuell den größten Entwicklungshebel im Training sehe. Technik und Taktik entscheiden darüber, ob Spieler:innen ihr Können situationsgerecht, stabil und unter Druck abrufen können. Im Wettkampf geht es immer darum, zu wissen, was der Gegner vorhat, um dann meine Stärken ins Spiel zu bringen. Mir liegt hier besonders am Herzen, Technik nicht isoliert, sondern immer im taktischen Zusammenhang zu vermitteln. Saubere Schlagtechnik ist wichtig – aber sie wird erst wertvoll, wenn sie in realen Spielsituationen funktioniert und zu guten Entscheidungen führt.
Im taktischen Bereich beschäftigt mich vor allem, Spieler*innen zu eigenständigem Denken und Handeln zu befähigen: Situationen wahrnehmen, Lösungen erkennen und diese selbstbewusst umsetzen. Weg von starren Vorgaben, hin zu mehr Spielintelligenz unter wiederkehrenden Ballwegen. Zusammengefasst liegt mir das Thema am Herzen, weil ich Training spielnäher, nachhaltiger und wettkampftauglicher machen möchte – mit Technik und Taktik als eng verzahnte Kernelemente.
Worin siehst du aktuell die größten Entwicklungsfelder im modernen Tischtennistraining, insbesondere im Übergang vom Nachwuchs- zum Erwachsenenbereich?
Wenn es speziell um die Spitzenförderung geht, müssen wir von klein auf intensiv und vor allem individuell trainieren. Letzten Endes muss es das Ziel sein, einen neuen Timo Boll herauszubringen, der als Vorbild für neue Generationen dient. Da ich auch viel im Breitensport oder mit den „Parkis“ (an Parkinson erkrankte Tischtennisspieler) unterwegs bin, ist es mir natürlich auch bewusst und wichtig, dass man Tischtennis im Gesamtpaket fördert. Man muss die Balance zwischen Mitgliedergewinnung und einem neuen Timo Boll meistern. Meiner Meinung besteht hier ein enger Zusammenhang und ersteres steigt definitiv an, sobald es eine neue deutsche Nummer eins der Welt geben wird.
Welche konkreten Impulse oder Praxisansätze sollen die Teilnehmenden aus deinem Vortrag direkt für ihren Trainingsalltag mitnehmen? Hast du dafür ggf. Lösungsansätze im Gepäck?
Zunächst geht es darum, unseren Sport wirklich zu verstehen. Das bedeutet, Spielzüge bewusst so aufzubauen, dass sich durch Schnitt und Spin immer wieder ähnliche, vorhersehbare Ballwege ergeben. Diese wiederkehrenden Ballfolgen gilt es dann mit höherer Qualität zu spielen als der Gegner – das nenne ich am Ende ein „perfektes Spielsystem“.
Der Ausgangspunkt ist dabei immer der eigene Aufschlag. Über die Spieleröffnung – also Aufschlagart, Platzierung, Schnitt und Länge – ergeben sich häufig nur ein oder zwei realistische Anschlussoptionen. Genau diese Ballwege müssen konsequent vorbereitet und optimal weitergespielt werden. Das ist wohl auch ein wesentlicher Grund dafür, warum bei einem Spieler wie Timo Boll kaum ein Ball „zufällig“ kam oder in die falsche Ecke ging.
Insgesamt geht es um taktisches Wissen und ein tiefes Spielverständnis, um Gegner dauerhaft einen Schritt voraus zu sein.
Detaillierte Lösungsansätze dazu werde ich beim Symposium vorstellen.