Interview mit Doris Simon-Keller – Referentin beim Symposium

Für das Gespräch mit Doris Simon-Keller, DTTB-Gesundheitsexpertin, waren ursprünglich zwei Fragen vorgesehen. Vorab wollte sie jedoch zunächst einen kurzen Einblick in die Entwicklung von PingPongParkinson geben:
„Ich möchte gerne etwas ausholen, bevor ich zur Beantwortung deiner Fragen komme:
Im Mai 2024 haben wir ein Projektteam gebildet, um das Wissen über Parkinson (Thorsten Boomhuis) und die Erfahrungen aus 25 Jahren Gesundheitssport Tischtennis (Doris Simon-Keller, Norbert Weyers) zu bündeln – begleitet durch die Wissenschaft (Dr. Timo Klein-Soetebier, Prof. Diethelm Wahl). Die methodisch-didaktische Aufbereitung übernahm Sarah Falczyk. Im Dezember 2025 waren wir dann so weit, dass ‚Tischtennis gegen Parkinson‘ als Fortbildung über den DTTB (Gabriel Eckhardt) in allen Landesverbänden angeboten werden kann. Umso mehr freuen wir uns, als Mitglieder des VDTT beim Symposium einige ‚Best-of‘-Inhalte unserer neuen Konzeption präsentieren zu können.“
1. Worauf kommt es in der konkreten Trainingsgestaltung mit PingPongParkinson-Spielerinnen und -Spielern besonders an – welche methodischen Anpassungen haben sich bewährt?
*„Die Symptome der Parkinson-Erkrankung sind sehr unterschiedlich, sodass jede und jeder quasi seinen eigenen Parkinson mitbringt – von Muskelsteifigkeit und Zittern über Gangunsicherheiten bis hin zu kognitiven oder visuellen Einschränkungen. Gleichzeitig gibt es auch viele Teilnehmende, bei denen die Erkrankung zunächst kaum sichtbar ist.
Unser Ziel ist es daher, Trainerinnen und Trainer für diese Besonderheiten zu sensibilisieren und vorhandenes Wissen gezielt anzupassen. Hilfreich sind dabei ‚Goldene Regeln‘, etwa das Vermeiden von Übungen mit starkem Bücken oder häufigem Aufstehen sowie der Grundsatz, Übungen zunächst für alle machbar zu gestalten und individuell zu variieren. Auch psycho-soziale Aspekte, etwa passende Sozialformen, spielen eine wichtige Rolle.
Für die Widerstandsfähigkeit des Gehirns ist die Förderung der neuronalen Vernetzung entscheidend – hier kommt das koordinative Training ins Spiel. Neben dem Tischtennis selbst setzen wir Dual-Task-Aufgaben ein, die motorische und kognitive Anforderungen verbinden. Ergänzend helfen Augen- und Fingerübungen, die Bewegungssicherheit im Alltag zu verbessern.“*
2. Welche Entwicklungen erlebst du bei den PPP-Aktiven im Trainingsalltag – körperlich und mental?
*„Es ist nie zu früh, aber auch nie zu spät, um mit dem Training zu beginnen. Tischtennis wirkt als eine Art ergänzende Physiotherapie – das ist wissenschaftlich belegt. Viele Verläufe lassen sich dadurch verlangsamen.
Teilnehmende berichten, dass sie während des Trainings ihre Krankheit regelrecht vergessen. Das Spiel, insbesondere das Klicken des Balls, löst oft Bewegungsblockaden, und auch am nächsten Tag werden Symptome abgeschwächt wahrgenommen. Neben motorischen Verbesserungen nehmen auch Begleiterscheinungen wie Depressionen oder Verdauungsprobleme häufig ab.
Kurz gesagt: Die Lebensqualität steigt spürbar. Und wer den besonderen ‚Spirit‘ in diesen Gruppen erlebt, versteht sehr gut, was Herbert Grönemeyer mit ‚Sekundenglück‘ beschreibt.“*